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Winterwohnsitz finanzieren: Was Sie beim Kauf einer Freizeitimmobilie im Skigebiet beachten müssen

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Es ist jedes Jahr dasselbe Bild: Draußen glitzert der Schnee, die Berge wirken wie aus einem Film und spätestens beim dritten Wochenende in der Hochsaison denken viele: Wie schön wäre es, jetzt einfach “heimzugehen”? Kein Hotelstress, keine Check-in-Zeiten, keine überfüllten Skikeller. Stattdessen eine eigene Bleibe, in der Sie gemütlich und in Ruhe ankommen, den Schlüssel umdrehen, die Skischuhe abstellen und der Urlaub beginnt sofort. Weil viele Wintertourismus-Orte im Sommer längst genauso attraktiv sind (Wandern, Biken, Seen, frische Luft) wie im Winter, klingt der Gedanke an einen Zweitwohnsitz für den Winter plötzlich noch verlockender. Damit aus dieser Idee ein realistisches Projekt wird, lohnt sich ein klarer Blick auf folgende zwei Themen: die rechtlichen Rahmenbedingungen (Zweitwohnsitz, Widmung, touristische Nutzung) und die Finanzierung (Eigenmittel, Anforderungen von Banken, langfristige Tragbarkeit). Und natürlich stellt sich die große Frage: Lohnt sich das wirklich? Die Antwort ist oft: Es kommt darauf an. Es ist natürlich immer auch eine sehr persönliche Entscheidung.

Der emotionale Impuls ist verständlich, aber die Regeln sind regional streng

Gerade in Westösterreich (Tirol, Salzburg, Vorarlberg) sind Zweitwohnsitze und Freizeitwohnsitze in vielen Gemeinden stark reglementiert. Das heißt: Sie können nicht automatisch jede Wohnung, die Ihnen gefällt, auch als reinen Ferienwohnsitz nutzen. Entscheidend sind Begriffe wie:

  • Widmung und Nutzungszweck (Hauptwohnsitz, Zweitwohnsitz, touristische Widmung, gemischte Nutzung)
  • Gemeindeauflagen (Kontingente, Bewilligungen, Meldepflichten, Abgaben)
  • Touristische Vermietung (teils bewilligungspflichtig, besonders in Städten oder stark regulierten Gemeinden)

Ein konkretes Beispiel: In der Stadt Salzburg ist die touristische Nutzung von Wohnungen grundsätzlich nur mit behördlicher Bewilligung zulässig. In Vorarlberg gibt es ein eigenes Zweitwohnungsabgabenrecht samt Kategorisierung von Gemeinden.

Ein wichtiger Tipp: Bevor Sie sich in eine Immobilie “verlieben”, klären Sie schriftlich folgende Fragen:

  • Darf ich diese Immobilie als Zweit- oder Freizeitwohnsitz nutzen?
  • Darf ich touristisch vermieten? Wenn ja, in welchem Rahmen?
  • Gibt es laufende Abgaben oder Leerstandsregelungen in der Gemeinde?


Diese Fragen sind nicht nur juristisch relevant, sondern auch für die Bank, denn Nutzbarkeit und Verwertbarkeit sind für die Besicherung im Rahmen einer Finanzierung zentral.

Die beliebtesten Skiregionen in Österreich und das Preisniveau dort

Österreich hat viele Top-Skiregionen, aber ein paar Namen tauchen in Suchanfragen und Wunschlisten besonders häufig auf. Gleichzeitig unterscheiden sich die Immobilienpreise massiv und zwar nicht nur nach Region, sondern auch nach Mikrolage, Ski-in/Ski-out, Zustand, Zweitwohnsitz-Widmung, Aussicht, Parkplatz, etc.

Als gute Orientierung (Medianwerte aus Angebotsanalysen) werden für Eigentumswohnungen in bekannten Skigebieten u. a. folgende Preisniveaus genannt:

  • Kitzbühel: rund 12.338 €/m²
  • St. Anton am Arlberg: rund 10.628 €/m²
  • Schladming: rund 8.457 €/m²
  • Saalbach-Hinterglemm: rund 8.099 €/m²
  • Ischgl: rund 7.988 €/m²


Für Häuser oder Chalets (wo das Budget oft deutlich höher sein muss) werden z. B. genannt:

  • Kitzbühel (Häuser): rund 18.617 €/m²
  • Kaprun/Zell am See (Häuser): rund 6.447 €/m²
  • Schladming (Häuser): rund 6.560 €/m²


Und aus einer ORF-Zusammenfassung derselben Marktdaten werden u. a. folgende Preisniveaus erwähnt:

  • Kaprun–Zell am See: ca. 6.835 €/m² (Wohnungen)
  • Sölden: ca. 6.125 €/m²
  • Zillertal: ca. 6.111 €/m²


Das sind Orientierungswerte, einzelne Objekte können deutlich darunter oder darüber liegen. Aber sie zeigen klar: Ein Winter-Zweitwohnsitz ist in den Top-Orten meist ein Premium-Projekt.

Wichtig: Welche langfristigen Vorteile kann ein Kauf haben?

Ob sich ein Kauf “rechnet”, hängt davon ab, wie Sie den Winterwohnsitz nutzen. Aber es gibt typische langfristige Vorteile, die viele Käufer:innen nennen:
Lebensqualität (der unterschätzte Return):
  • Spontane Wochenenden ohne Buchungsdruck
  • Weniger Reisestress, mehr Routinen vor Ort
  • “Ihr” Platz in den Bergen: Emotionaler Wert, Familienrituale
Saisonübergreifende Nutzung:

Viele Skiregionen sind heute bereits sogenannte Ganzjahresdestinationen: Sommerfrische, Wandern, Mountainbike, Kulinarik, Events machen einen Besuch auch außerhalb der Wintersaison attraktiv. Wenn Sie die Immobilie auch außerhalb der Skisaison nutzen, steigt der Nutzen deutlich.

Inflationsschutz und Vermögensaufbau:

Immobilien werden oft als Sachwert gesehen. Das ist kein Garant für eine Wertsteigerung, aber für viele ist es ein Baustein im Vermögensaufbau, insbesondere in etablierten Premiumlagen.

Vermietungspotenzial (wenn rechtlich möglich):

Wenn touristische Vermietung zulässig und organisatorisch realistisch ist, kann sie helfen, laufende Kosten zu decken, Leerstandzeiten zu reduzieren und somit die Gesamtbelastung zu verbessern.

Aber: Vermietung ist ein eigenes Business, mit Reinigung, Schlüsselübergabe, Plattformen, Abgaben, Instandhaltung und möglicherweise professioneller Betreuung. Und rechtlich ist sie nicht überall frei möglich (siehe oben Salzburg als Beispiel).

Wie finden Sie heraus, ob sich ein Winter-Zweitwohnsitz wirklich lohnt?

Hier hilft ein einfacher Realitätscheck. Nicht, weil Sie sich den Traum ausreden sollen, sondern weil eine Ferienimmobilie finanziell dann am besten funktioniert, wenn sie zu Ihrem Leben passt.

Schritt 1: Das eigene Nutzungsprofil ehrlich definieren.
Bevor Sie sich emotional in eine Immobilie verlieben, lohnt sich ein nüchterner Blick auf die Realität: Wie viele Wochen pro Jahr werden Sie tatsächlich vor Ort verbringen? Nicht im Wunschdenken, sondern realistisch betrachtet? Sind Sie eher der Typ für spontane Wochenendtrips oder planen Sie längere Aufenthalte am Stück? Wie wichtig ist Ihnen die Sommernutzung wirklich? Nutzen Sie die Region ganzjährig oder liegt der Fokus klar auf einer Saison? Diese ehrliche Bestandsaufnahme ist die Basis für jede weitere Entscheidung.
Schritt 2: Die Vollkosten realistisch kalkulieren, nicht nur die Kreditrate.

Eine Ferienimmobilie besteht finanziell nicht nur aus der monatlichen Finanzierung. Berücksichtigen Sie sämtliche laufenden Betriebskosten, notwendige Rücklagen sowie Verwaltungsaufwand. Gerade bei älteren Apartments fallen regelmäßig Instandhaltungs- und Renovierungskosten an, die oft unterschätzt werden. Hinzu kommen Versicherungen und Gemeindeabgaben. Diese sind, je nach Bundesland oder Gemeinde, durchaus unterschiedlich. Über die Jahre betrachtet kommen auch Anreise- und Nebenkosten hinzu. Erst wenn alle Faktoren einbezogen sind, entsteht ein ehrliches Gesamtbild.

Schritt 3: Alternativen bewusst vergleichen.
Manchmal bietet Flexibilität mehr Freiheit als Eigentum. Hochwertige Hotels oder Chalets in der Nebensaison ermöglichen Komfort ohne langfristige Bindung. Auch eine Saison- oder Langzeitmiete für die Wintermonate kann wirtschaftlich sinnvoll sein. Und wenn Eigentum doch infrage kommt, könnte ein gemeinsames Modell im Familien- oder Freundeskreis eine Lösung sein, vorausgesetzt, klare Regeln schaffen von Anfang an Transparenz und Verlässlichkeit.
Schritt 4: Persönliche Faktoren bewusst einbeziehen.
Für manche ist der Winterwohnsitz ein Freiheitsprojekt. Für andere wird er zum Stressfaktor (Organisation, Reparaturen, Verpflichtungsgefühl). Beides ist legitim. Es ist eben nicht nur eine Frage der Rendite, sondern auch des individuellen Lebensstils.

Was Banken bei Ferienimmobilien besonders genau ansehen

Gerade bei Ferienimmobilien wird oft konservativer gerechnet, weil es sich nicht um den zwingend notwendigen Hauptwohnsitz handelt.

Eigenmittel und Reserven.
Neben dem Kaufpreis brauchen Sie ausreichend Puffer für Nebenkosten und Reserven. Zu den fixen Kaufnebenkosten zählt u. a. die Grunderwerbsteuer (grundsätzlich 3,5%). Dazu kommen typischerweise Kosten für Vertragserrichtung/Notar, Grundbuch, ggf. Makler und je nach Objekt auch sofortige Investitionen (Möblierung, Sanierung, Energieeffizienz).
Fixzins vs. variabel und die Frage nach der Planbarkeit.

Bei einem Zweitwohnsitz zählt die Planbarkeit doppelt: Sie wollen nicht, dass der Traum an schwankenden Raten knabbert. Die passende Zinsstrategie hängt von Ihrem Einkommen, Ihrer Risikoneigung und Ihrer Gesamtvermögenssituation ab. Hier lohnt sich also ein unabhängiges Finanzierungskonzept besonders.

Vorteil, wenn Sie bereits eine Immobilie besitzen

Wenn Sie schon über Eigentum verfügen (Haus oder Wohnung), kann das bei der Finanzierung eines Winterwohnsitzes ein echter Hebel sein, je nach Ausgangslage bietet dieser Umstand meist folgende Vorteile:

  • Zusätzliche Sicherheiten: Eine bestehende Immobilie kann die Besicherung verbessern (Banken bewerten Sicherheiten sehr genau).
  • Besseres Eigenkapital-Setup: Wenn Eigenmittel durch Erspartes, Umschichtungen oder bestehende Werte darstellbar sind, steigen die Chancen auf gute Konditionen.
  • Flexibilität in der Struktur: Manche Finanzierungen lassen sich so aufstellen, dass Liquiditätspuffer erhalten bleiben (statt alles “in den Kauf” zu pressen).


Wichtig ist dabei immer die Gesamtsicht: Ihre laufenden Verpflichtungen, Instandhaltungen und auch Ihre Lebensplanung müssen in Summe tragbar bleiben.

Die häufigsten Stolpersteine und wie Sie sie vermeiden

  1. Widmung oder Zweitwohnsitz sind nicht sauber geprüft: Dies kann Nutzung oder Vermietung massiv einschränken.
  2. Zu knapp kalkulierte Nebenkosten: Eine Nachfinanzierung wird teurer und mühsam.
  3. Vermietung als “Fixeinnahme” eingeplant, obwohl sie rechtlich oder organisatorisch unsicher ist.
  4. Belastung passt nur bei perfekten Zinsen: Hier ist ein realistischer Stress-Test Pflicht.
  5. Emotionale Kaufentscheidung ohne Exit-Plan: Was passiert, wenn Sie den Zweitwohnsitz plötzlich weniger nutzen, aufgrund von Jobwechsel, anderer Familienphase, usw.?

Ein Winterwohnsitz kann ein Traum sein, wenn Konzept, Region und Finanzierung zusammenpassen

In Österreich gibt es auf jeden Fall Regionen, in denen sich eine Ferienimmobilie langfristig als wichtiger Beitrag zu mehr Lebensqualität und Vermögensaufbau anfühlen kann. Gleichzeitig sind rechtliche Rahmenbedingungen und eine realistische Finanzierung der Schlüssel, damit aus dem Traum kein teures Hobby mit Druck wird.

Wenn Sie das Thema ernsthaft angehen möchten, unterstützt Sie clever-finanziert dabei, die Finanzierung sauber aufzustellen: Von der realistischen Budgetierung über die passende Struktur (auch wenn bereits Immobilienbesitz vorhanden ist) bis hin zur bankfähigen Gesamtdarstellung Ihres Vorhabens.

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